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    • Gazette: Neue Musik in NRW – Ausgabe Februar 2012

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      Gewesen: Ensemble intercontemporain und musikFabrik in Köln Angekündigt: Frau Musica (nova) – Arditti Quartett – KlangZeit in Münster

      [Ensemble Intercontemporain in Köln]

      Als ich vor ca. 25 Jahren begann, regelmäßig Konzerte mit Neuer Musik zu besuchen, interessierten mich vor allem die Uraufführungen und neuen Namen. Es konnte gar nicht frisch und aktuell genug sein. Das hat sich geändert, denn schon mehrfach habe ich in letzter Zeit die Erfahrung gemacht: Je jünger die Komponisten, desto langweiliger die Musik. Vor allem gilt dies für die 'etablierten' Neue Musik-Konzerte wie zuletzt beim Gastspiel des renommierten Ensemble intercontemporain am 12.1.12 in der Kölner Philharmonie . Neben Michael Jarrells La Chambre aux échos, das ich vor kurzem bereits im Rahmen des Frankfurter Xenakis-Festivals gehört habe, standen drei Werke auf dem Programm, die erst zwei Tage vorher in Paris aus der Taufe gehoben worden waren. Die beiden Komponisten der Auftaktstücke, der Amerikaner Sean Shepherd (Jahrgang 1979) und der Koreaner Texu Kim (Jahrgang 1980), waren anwesend.
      Um von Anfang an keine allzu großen Erwartungen aufkommen zu lassen, erklärt das Programmheft das Assoziative und Beiläufige zum verbindenden Element. Shepherd lässt sich in Blur von den vorbeigleitenden Eindrücken einer Reise mit dem Zug oder mit dem Flugzeug inspirieren. Kim verarbeitet in seiner Toccata Inquieta die an der Grenze zwischen Wachen und Schlafen aufblitzenden Assoziationen, „nahezu unvermittelt nebeneinander, eine alogische Kette von Ereignissen“. Doch die sogenannten Ereignisse, die hier miteinander verbunden werden, sind bieder, brav und harmlos, auch dann noch wenn sie sich zu einer kleinen Aufwallung oder einem abrupten Ausbruch hinreißen lassen. Das Leben ist so, heißt es im Programmheft – Trost oder Drohung? Als altertümelnde Stimulanz erwählt Kim das Cembalo zum Soloinstrument. Das erinnert an Tendenzen der bildenden Kunst, wo im Gefolge der sog. Neuen Leipziger Schule Narration und Figuration Hochkonjunktur haben und antiquierte und verrätselte Versatzstücke über fehlende Inhalte hinwegtäuschen sollen. Da wird viel erzählt, aber nichts gesagt, ein bisschen probiert, aber nichts riskiert.
      Deutlich spritziger fiel Unsuk Chins Gougalon aus, das in seiner erweiterten, aus sechs 'Szenen' bestehenden Fassung zur Aufführung kam. Auch hier wird erzählt, eine Reise ins heutige China ließ Kindheitserinnerungen an koreanische Straßenkünstler wach werden. Doch das lustvolle Jonglieren mit skurrilen Klangfetzen inklusive durchgepeitschtem Donnerblech und parodistische Überzeichnungen lassen den grinsenden Wahrsager mit dem falschen Gebiss, das Lamento der kahlen Sängerin und die Jagd nach dem Zopf des Quacksalbers – so einige Szenentitel – lebendig werden.

      [musikFabrik beim WDR]

      Auch die musikFabrik hatte in ihrem 41. WDR-Konzert mit Michael Beils BLACKJACK eine Uraufführung zu bieten. In der Einführung gab man sich betont zurückhaltend, denn das „genau kalkulierte Verwirrspiel“ lebt von der Überraschung und Überrumpelung des Zuhörers und Zuschauers. Wie schon in früheren Werken kombiniert Beil die Musik mit Live-Video und Live-Elektronik, wobei er ein besonderes Verfahren verwendet: Videoaufnahmen der Musiker werden zeitversetzt und perspektivisch gestaffelt auf eine Leinwand projiziert. Zudem werden Geste und Klang entkoppelt: Während die frontal auf der Bühne agierenden Instrumentalisten ins Leere greifen oder blasen, erklingt der dazugehörige Ton aus dem seitlich angeordneten übrigen Ensemble – was man hört, ist nicht was man sieht. Hinzukommen live-elektronische Zuspielungen und eine präzise, jedoch aufgrund ihrer zunehmenden Komplexität immer weniger nachvollziehbare Choreographie – ein ständiges Kommen und Gehen der Musiker. Gegenwart (Bühne), Vergangenheit (Video/Zuspielung) und Zukunft (Erwartungen des Zuschauers) verschränken sich auf vielfältige Weise, wodurch die alten Fragen nach Sein und Schein, nach 'Realem und nur Vorgetäuschtem' aufgeworfen werden – Fragen, mit deren Unbeantwortbarkeit wir uns in Zeiten der Informationsüberflutung und der elektronischen Medien fast schon abgefunden haben. Eine ähnliche Versuchsanordnung lag bereits dem Stück Doppel für zwei Klaviere zugrunde, konnte mich damals jedoch nicht überzeugen. Zu konstruiert wirkte das Ganze, die zugrunde liegende Idee ward schnell erkannt und fast ebenso schnell erschöpft. Anders bei BLACKJACK: Aufgrund der Vielzahl der Beteiligten und der Komplexität des Geschehens schlägt das ausgeklügelte Konzept um in lustvolles Chaos. Die Instrumentalisten der musikFabrik sind mit soviel Humor und Spielfreude bei der Sache, dass ein Abgleiten in bebilderte und vertonte Konzeptkunst zuverlässig verhindert wird.
      Das Werk war eingebettet in ein abwechslungsreiches Programm. Neben Boulez' Dérive 1 und dem Hamburgischen Konzert für Horn solo und Kammerorchester von György Ligeti erklang traditionelle amadinda- und akadinda-Musik des bugandischen Königshofes. Von deren inhärenten Mustern ließ sich Ligeti zu seinen hoch virtuosen, polyrhythmischen Études pour Piano inspirieren, von denen Benjamin Kobler drei zu Gehör brachte.

      [Termine im Februar]

      Köln

      Am 7.2. gastiert das Arditti Quartet

  • mit Musik von Berg, Xenakis, Rihm und Dillon in der Kölner Philharmonie . Ebendort präsentiert am 11.2. der Serpent-Virtuose Michel Godard unter dem Motto A Trace of Grace sein Monteverdi-Projekt. Außerdem zu Gast: das Orquesta Filarmónica de Gran Canaria mit einem Werk von Cristóbal Halffter am 8.2. (am 7.2. bereits in der Düsseldorfer Tonhalle ) und das Mahler Chamber Orchestra mit Musik von Messiaen und Salonen am 26.2. (am 24.2. bereits in der Essener Philharmonie und am 25.2. im Konzerthaus Dortmund ).
    Zur 'Beschleunigung' des Komponistennachwuchses hat die musikFabrik unter dem Titel 'Composer collider' eine neue Förderreihe ins Leben gerufen, die sich am 17.2 an Studenten der Folkwang Universität wendet. Besucher sind nach Voranmeldung willkommen. Am 6.2. findet – ebenfalls im Studio im Mediapark – das Montagskonzert u.a. mit Werken von Saunders, Lim und Pagh-Paan statt.
    Auch am diesjährigen Frau Musica (nova)-Konzert sind Musiker der musikFabrik beteiligt. Gemeinsam mit Dirk Rothbrust und dem Asasello Quartett stellen sie am 5.2. im Deutschlandfunk die kanadische, heute in Berlin lebende Komponistin Chiyoko Szlavnics vor.
    Die üblichen Orgelimprovisationen gibt es in der Kunststation Sankt Peter am 5.2.
    Beim WDR ist in der Reihe ensembleEuropa am 27.2. das Ensemble Studio for New Music Moscow zu Gast und die reiheM präsentiert am 7.2. in der Alten Feuerwache Grouper mit ihrer mehrstündigen Konzertperformance Circular Veil. Am gleichen Ort ist am 10.2. Bassem Hawar mit einem Mix aus Elektronik und Orient und am 25.2. das Ensemble für Neue Musik Zürich u.a. mit einer 'Coverversion' von Arthur Russells Tower of Meaning zu erleben.
    Am 15.2. werden in der Kölner Musikhochschule Ergebnisse des Austauschprojekts 'Composing in a globalised world' vorgestellt. Im neuen Konzertsaal am Standort Aachen ist am 2.2. ein ganzer Abend John Cage gewidmet, von dem wir anlässlich seines 100sten Geburtstags in diesem Jahr noch viel hören werden.
    Weitere Köln-Tipps bei kgnm .

    Sonstwo

    Das e-mex ensemble setzt seine Reihe mit Neuer Musik im Essener Folkwang Museum am 17.2. fort.

    In der Düsseldorfer Tonhalle steht (neben dem erwähnten Halffter-Konzert am 7.2.) Musik von Luciano Berio am 3.2. und von Peter Gahn am 26.2. auf dem Programm. Am 8.2. kombiniert das Ensemble Alternance ein Xenakis-Filmporträt mit Affront von Raphaël Cendo.

    Im Zentrum des KlangZeit-Festivals in Münster steht vom 29.2. bis 11.3. Lateinamerika. U.a. ist das Orquesta Experimental de Instrumentos Nativos zu Gast.

    Die Aachener GZM befasst sich am 13.2. in der Reihe 'Hören und Sprechen über Neue Musik' mit dem Ardittiquartett, heute und vor 20 Jahren.

    Soundtrips NRW schickt im Februar die drei Tubaspieler von Microtub auf Tour, die sich – wie der Name bereits ahnen lässt – auf mikrotonale Klänge spezialisiert haben. Auftakt ist am 5.2. in der Blackbox im cuba in Münster. Weiter geht es am 6.2. im Wuppertaler ort , am 7.2. im Kölner Loft , am 8.2. im Essener Goethebunker und am 9.2. im Bochumer Kunstmuseum .

    Im ort sind außerdem noch das Duo Cordula Bösze (Flöte) und Elisabeth Flunger (Percussion) am 11.2. und Pata Poetry am 25.2. zu erleben.
    Peter Brötzmann spielt derweil am 16.2. im Café ADA auf, während am 4.2. im Skulpturenpark Waldfrieden in der Reihe Tonleiter Komponisten aus Tony Craggs Heimat Britannia vorgestellt werden.

 

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