Kulturserver NRW
 
  •  
      •  
      •  
    • Eisenstraße Südwestfalen

      Die Bezeichnung „Eisenstraße“ dient heute vielerorts der touristischen Vermarktung einer Region. So wird z.B. im Internet die Eisenstraße im Dreiländereck von Niederösterreich, Oberösterreich und der Steiermark als „Erlebnisstraße“ bezeichnet, die Bayerische Eisenstraße als „Ferienstraße“, die das Industrie- mit dem Kulturdenkmal verbindet, und die sächsische Eisenstraße als ein „Netz von alten Wegen im Osterzgebirge und der Sächsischen Schweiz“ verstanden. In diesen Regionen dient der Begriff der Identifikation mit der historischen Dimension, weil sie von Bergbau und Verhüttung, aber auch Verarbeitung von Eisen und Stahl geprägt und dadurch weithin bekannt geworden waren.

      Auch das Siegerland ist über Deutschland hinaus als Montanregion bekannt geworden, die bis in die La-Tène-Zeit zurückverfolgt werden kann. Das Sauerland dagegen hat heutzutage seinen Ruf als „Bergland“ bekommen, in dem man im Sommer gut wandern und im Winter Skisport treiben kann. Nur einem eher kleinen Kreis von Interessenten sind hier überhaupt die Begriffe „Märkische Eisenstraße“ bzw. „Bergische Eisenstraße“ geläufig.

      So wurden vor kurzem bei Freudenberg unweit der Autobahn 45 „die Reste der Jahrhunderte alten sogenannten Eisenstraße freigelegt und dokumentiert“. Es heißt dort: „Die 'Eisenstraße' führte von Siegen über Freudenberg bis in das Bergische Land und heißt so, weil auf dieser Ferntrasse vom späten Mittelalter bis mindestens ins 18. Jahrhundert hinein vor allem Eisenerze aus dem Siegerland exportiert wurden“. Diese Aussage muss man allerdings historisch hinterfragen. Im Gegensatz zu vielen in den Urkatastern erhaltenen Bezeichnungen, wie z.B. „Eiserwege“ oder „Iserweg“, an denen man lokale Bezüge festmachen kann, ist als zeitgenössische Bezeichnung nur diejenige von Friedrich August Alexander Eversmann bekannt geworden, der als „königl[ich] preuß[ischer] Krieges-, Steuer- und Bergrath und Fabrikenkommissarius“ eine vorzügliche Sachkenntnis besaß. In seiner 1804 herausgekommenen „Uebersicht der Eisen- und Stahl-Erzeugung auf Wasserwerken in den Ländern zwischen Lahn und Lippe“ bezeichnet er mit 'Eisenstraße' nur eine damals noch unbefestigte Straße, die aus dem Freien Grund, der Gegend um Neunkirchen, nach Drolshagen führte und dort auf die Siegensche Chaussee traf, die als ein Teilstück der Fernstraße Frankfurt-Amsterdam-Siegen mit Hagen und Essen verband.

      Auf dieser sogenannten Eisenstraße wurden die Osemundhämmer, die in ihrer Mehrzahl im damaligen Amt Altena lagen mit dem Roheisen der Hütten aus der damaligen Grafschaft Sayn-Altenkirchen versorgt. Die Siegensche Chaussee war als erste Kunststraße Preußens durchgehend mit Pflaster befestigt und für den Verkehr, der bis dahin nur unbefestigte und im Winter kaum befahrbare Naturwege nutzen konnte, eine große Erleichterung. Sie zog, wie neuerdings die A 45, einen großen Teil des damaligen Verkehrs auf sich. Dazu gehörte auch die Versorgung des Bergischen Landes mit Eisen und Stahl aus dem Siegerland. Diese war bis dahin von Kreuztal über Gummersbach, Marienheide und Wipperfürth erfolgt, verlegte sich aber nach 1790 auf die Chaussee, von wo die Fuhrleute entweder am Wildenkuhlen bei Kierspe oder am Wegerhof bei Halver abzweigten, um die Hammerwerke des Bergischen Landes mit dem benötigten Stahl zu versorgen.

      Die „eigentliche“ überregionale Eisenstraße des Sauerlandes und des Bergischen Landes, die offenbar auch von Zeitgenossen so bezeichnet wurde, war die Straße, auf der die ältesten Hammerwerke der Grafschaft Mark mit Roheisen versorgt wurden. Diese Straße ist auf der Strecke zwischen Freudenberg und Meinerzhagen seit dem 17. Jahrhundert nachzuvollziehen. Bis Freudenberg liefen die Wege von den acht Hütten zusammen, die das Roheisen lieferten, während ab Meinerzhagen sich wiederum die Wege zu den Osemundhämmern trennten, die in der Mehrzahl an der Verse, Volme und Rahmede lagen.
      Hans Ludwig Knau

      Kontakt
      Hans-Ludwig Knau
      Tel. 0 23 59 / 39 06
      E-Mail: hansludwigknau@aol.com

      Den vollständigen Text erhalten Sie im Downloadbereich unter: www.denkmalforum.kulturregion-swf.de
  • zurück
    (im Stadtgebiet Siegen)
    57072 Siegen
     
    +49 2352 9667066
    Man kann immer auf der Eisenstraße reisen.