Kulturserver NRW
 
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    • Gerhard von Alkenrath

      Reisender, Lichtbildner und Autor



      "Ich traf ihn in der Nähe der Cannery Row, jener Ansammlung stillgelegter Konservenfabriken im Westen des kalifornischen Küstenstädtchens Monterey, die durch John Steinbecks "Straße der Ölsardinen" zu einiger Berühmtheit gekommen ist.

      Peter Pan, wie er sich nannte (seltsam, irgendwo hatte ich den Namen schon einmal gehört), machte rein äußerlich nicht den Eindruck als ginge es ihm schlecht. Obwohl offensichtlich ein Tramp, saß er da auf der hölzernen Bank vor dem Antiquitätenladen wie aus dem Ei gepellt. Seine rote Seidenjacke schimmerte, ebenso wie seine goldumbordeten Stiefel, makellos im Licht der späten Nachmittagssonne und an seiner ebenfalls roten Hose glaubte ich sogar die Spur einer Bügelfalte erkennen zu können ...

      ... Seine Habseligkeiten hatte Peter sorgfältig neben sich aufgebaut. Sie bestanden aus drei sackförmigen Taschen mittlerer Größe und mehreren bunten Schirmen mit reichverzierten Griffen, die mit dünnen Seidentüchern an den Taschen befestigt waren. Auf dem obersten Bündel lag eine jener Micky-Maus-Kappen, die sich Kinder zuweilen aus Disneyland mitbringen. Seitlich ragte eine in rotes Kunstleder gebundene Ausgabe des Neuen Testaments heraus.

      Meine besondere Aufmerksamkeit erregten drei Stoffpuppen, von denen die größte - sie sah aus wie ein Fuchs und war mit Hemd, Hose, Gamaschen und Holzsandalen bekleidet - wohl mehr als einen Meter maß. Allen Puppen gemeinsam war, daß sie blaugetönte Sonnenbrillen trugen.

      Peter, der meine Verwunderung amüsiert zur Kenntnis nahm, versicherte mir mit hintergründigem Lächeln, daß keines seiner Tiere wirklich eine Brille benötige. Diese trügen sie nur, um sich interessanter zu machen. Das sei nicht unwichtig - und manchmal recht hilfreich ..."

      Aus "Peter Pan", erschienen in OETZ, Düsseldorf 1983
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