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    • Alex Majewski

      Alex Majewski, Jahrgang 1959, lebt und arbeitet in Düsseldorf. Nach einer klassischen Ausbildung als Fotograf, war Majewski zunächst im Werbe- und Fashionbereich tätig, bevor er von Künstlern entdeckt und für deren Projekte der „Meister am Objektiv“ wurde, der in der Lage war, ideen in Bilder umzusetzen.
      So begann er 1993 eine freie Mitarbeit bei Foto- und Video-projekten der Kunsthochschule für Medien in Köln. Als Mitbegründer der Wiener Künstlergruppe „I AM“ war er der perfekte Teamworker bei der Umsetzung großer, internationaler Ausstellungsprojeke.
      Daraus entwickelte sich im Laufe seiner Arbeit der Anspruch, eigene künstlerische Aussagen zu formulieren und thematische Werkgruppen zu schaffen. Es folgten eigene Ausstellungen in Düsseldorf, Berlin, Köln, Madrid und in den Niederlanden, bei denen es immer um das Ausloten ästhetischer Grenzen geht.
      „Sushi“ verbindet Ekel und Appetit, Schönheit und Scham in ästhetischer Hochglanzphotographie. Aus einem knallrot geschminkten Mund, Erotik signalisierend, schießt einem Torpedo gleich, ein feiner Strahl Speichel auf ein köstlich angerichtetes Sushi. Wir denken an einen Leguan, der in der Lage ist, sich seine Nahrung blitzschnell mit der Zunge zu erjagen. Ein Tabubruch, eine Provokation und doch sind wir gefesselt von der Ästhetik, die jegliche physikalischen Gesetzte ignoriert.

      „Die Geschichte der Moderne ist zugleich eine Geschichte der Demontage des bildungsbürgerlich idealistischen Schönheitsbegriffs, dem zufolge das "Schöne" wie das Gute als Ausdruck geistiger Ordnung und Wahrheit" gilt. Die Gesichtsausschnitte im "blow-up" sind reine Oberfläche, kunstvoll stilisiert in glamourartiger Über-Ästhetisierung, ein Darstellungsmodus, der mit den Klischees der Werbeindustrie spielt und in brüskierendem Widerspruch steht zu einer gesellschaftlichen Erwartungshaltung, deren Wertvorstellungen von Körperflüssigkeiten diese als ekelig oder krankhaft
      tabuisieren.“

      „OralArt“ ist Gänsehaut auf der Zunge.
      Flüsternd streift Atem der Verführung Zunge und Gaumen, genüssliche Vorahnung durchzieht Nerven, die steif vor Erwartung ihren lüsternen Hunger vorbereiten. Sie wollen zupacken, wie ein blindes Raubtier werden sie rasend mit jeder Sekunde Verzug.
      Ist die Verführung auch süße Täuschung und bitter im Nachgeschmack, so ist sie doch orgiastisch im Augenblick. Das Auge isst mit, auch wenn heiratsfähige Liebe immer durch den Magen geht. Es ist unsere Kultur, die Kultur der Geschwindigkeit und Perfektion, bei der das Künstliche die Natur ablöst. Diese Entwicklung ergreift selbst die naturwüchsigsten Bedürfnisse des Menschen: Nahrungs- und Sexualtrieb. Das Credo unserer Kultur bedeutet im Ergebnis die Degeneration des Authentischen. Selbstverleugnung durch Selbstkorrektur zum Besseren. Sinnlichkeit wird virtuell, weil unsere Sinne den Unterschied im Zeitalter der technisch reproduzierbaren Illusion nicht kennen.

      Majewski’s neueste Arbeit, die Serie „Die Madonnen“ geht noch einen Schritt weiter in der Konsequenz seines künstlerischen Prinzips, dass sich mehr und mehr als Dreh- und Angelpunkt seiner Arbeit manifestiert.
      Ausgehend, von der ihm geläufigen Werbewelt, in der es um „das perfekte Gesicht“ geht, befragt er nach Erotik und Kulinarik nun auch die Religion. Wie er bei „OralArt“ und „Sushi“ die Grenzen auslotete zwischen Appetit und Ekel, Erotik und Obszönität, Schönheit und Verdorbenheit, so spielt er auch bei „seinen“ Madonnen mit den Empfindungen und moralischen Grenzen seines Publikums.
      Für die Inszenierung der Madonnen engagierte Majewski professionelle Models und ließ sie von Visagisten in verführerische, makellose Wesen verwandeln, die in ihren Gesten und Posen etwas von der glamourösen Werbewelt widerspiegeln, die uns täglich verführt.
      Majewski nutzt die menschliche Sehnsucht nach etwas Höherem, Heiligem, ja Anbetungswürdigem und stellt in seinen Inszenierungen eine Art Gleichnis zu den „Blutweinenden Madonnen“ her. In einem performativen Akt malt er eigenhändig die blutroten Tränen auf den weißen Teint der Models, wie ein Maler auf seine Leinwand den letzten, entscheidenden Pinselstrich setzt.

      Majewski provoziert uns, die Gesellschaft, unsere Grenzen selbst zu finden, genauer hinzuschauen und hinzufühlen, was wir, beeinflusst von Werbung, als „Gut“ und „Schön“ empfinden. Er experimentiert mit unserer Reaktion auf seine Inszenierungen und zwingt uns damit, unsere eigene Position zu definieren.
      --Sabine Weichel, 2009--
      * 12.08.1959 in Hilden
      Einzelausstellungen
      2004 | -SUSHI- Galerie T40, Düsseldorf
      2005 | -ORALART-, Galeria AdHoc, Vigo (E)
      2008 | -Oral Art- WDR Arkaden, Köln
      Gruppenausstellungen
      2002 | Room 44-, Fotoarbeiten, Galerie Gehrke, Hamburg
      2003 | Die Große Kunstausstellung, NRW, Kunstpalast Düsseldorf
      2004 | -Bocca della verità- Kunstverein-Bad Salzdetfurth
      2004 | Wilhelm-Fabry-Museum, Hilden/Rheinland
      2004 | Die Große Kunstausstellung, NRW, Kunstpalast Düsseldorf
      2004 | Art Cologne -New Art, Kunstmarkt-
      2005 | ARCO, ArtFair, Madrid, -adhoc-galeria de arte,
      (E)
      2006 | Huntenkunst, (NL)
      2007 | -Streets- Galerie Syrius, Düsseldorf
      2008 | -Parallèle-, le Mois de la Photo à Paris, Centre Culturel Peugeot, (F)
      Ausbildung
      1981 - 1984 | Ausbildung als Fotograf
      Projekte
      2000 | Mitgründung der Wiener Künstlergruppe „I am“

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