Adrian Piper – Adrian Moves to Berlin
Adrian Piper – Adrian Moves to Berlin
(2007, Performance; 2017, Videoprojektion)
Adrian Pipers Adrian Moves to Berlin zeigt die Künstlerin, wie sie 2007 auf dem Berliner Alexanderplatz tanzt. Zum Zeitpunkt der Performance hatte sie den USA, wo sie geboren wurde, aufgewachsen ist und seit den 1960er Jahren nicht nur künstlerisch aktiv war, sondern als analytische Philosophin auch an verschiedenen Universitäten unterrichtet hatte, gerade dauerhaft den Rücken gekehrt – aufgrund des strukturellen Rassismus und der institutionalisierten Diskriminierung, die sie seit den 1970er Jahren ein ums andere Mal kritisiert hatte.
Der Titel ist aber nicht nur als direkter Verweis auf diesen Umzug zu verstehen, sondern auch auf den Sound der Stadt, zu dem hier getanzt wird: House-Musik, wie sie in den Clubs Berlins sehr präsent war und neben anderen Spielarten elektronischer Musik nach dem Fall der Mauer den Soundtrack für die Begegnung von Ost und West lieferte – und die ihrerseits viel einer Schwarzer US-amerikanischen Clubmusik verdankt, die auf der anderen Seite des Atlantiks ungleich marginalisierter war.
Musik taucht im künstlerischen Werk von Adrian Piper spätestens seit den 1970er Jahren immer wieder auf – als Markierung kultureller Differenzen und Hierarchien ebenso wie als Ausdruck von Selbstbewusstsein und Selbstermächtigung, aber auch als Mittel zur Herstellung grenzüberschreitender Gemeinsamkeit. So unterrichtete sie in ihrer Performance Funk Lessons, die 1983 zum ersten Mal aufgeführt wurde, ihr Publikum in bewusst didaktischer Manier im Tanz zu Funk-Musik, einer Musik, die in der Schwarzen Arbeiter*innenklasse entstand, und lehrt deren Geschichte und Kontext. Irgendwann löst sich das Ganze in eine lockere Party auf und für einen kurzen Moment scheinen die Grenzen außer Kraft gesetzt zu werden – eine konkrete, aus der Kraft der Musik gespeiste Übung für eine offenere, tolerantere Gesellschaft.
Adrian Piper (geb. 1948, USA) begann in den 1960er Jahren mit konzeptuellen Arbeiten, in die sie bald politische Themen wie Fragen von Rassismus und der Geschlechterrollen einbrachte. Parallel zu ihrer künstlerischen Arbeit verfolgte Adrian Piper eine akademische Karriere als analytische Philosophin und unterrichtete an verschiedenen Universitäten in den USA, bis ihr 2008 ihr damaliger Arbeitgeber, das Wellesley College, die Professur kündigte, da sie sich geweigert hatte, aus Berlin, wo sie seit 2005 lebt und arbeitet, in die USA zurückzukehren, solange sie dort auf einer offiziellen Liste „verdächtiger Reisender“ stand. Für ihre künstlerische Arbeit wurde Adrian Piper mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet, unter anderem 2015 mit dem Goldenen Löwen Venedig Biennale, 2018 mit dem Käthe-Kollwitz-Preis der Akademie der Künste, deren Mitglied sie seitdem ist, 2021 mit dem Goslarer Kaiserring und 2023 mit der Harvard Arts Medal. Ihre Arbeiten befinden sich in zahlreichen Sammlungen, darunter im MoMA und dem Metropolitan Museum of Art, beide New York, dem Centre Pompidou, Paris, oder dem Museum of Contemporary Art of Los Angeles, und wurden in mehreren großangelegten Retrospektiven gezeigt, darunter etwa 2018 im MoMA New York. Im März 2024 eröffnete mit RACE TRAITOR ihre jüngste retrospektive Ausstellung bei PAC Milan.